Ihr feierfreudigen Stalker!
In den letzten Wochen habe ich mein übliches Gammelhabitat verlassen und mich zu Zelebrationszwecken in etwas feudalere Lokalitäten begeben: das Moondoo in Hamburg und die Nachtresidenz in Düsseldorf. Man ist ja offen für Neues und hat sonst nichts zu tun. Da Lob stets vor dem Tadel kommt, sei an dieser Stelle angemerkt, dass die Mucke in beiden Läden recht gut war und ich ein adäquates Maß an Cypress Hill vernehmen konnte. Zudem gehörte zum jeweiligen DJ-Gefolge immer mindestens ein Mann mit Cap, der so dermaßen schön war, dass ich ihn gern meinen Kaninchen vorgestellt hätte. Da ich im Beisein schöner Männer mit Cap aber zu einer Art Justin Bieber Groupie mutiere, habe ich mich lieber hinter einem Barhocker versteckt. Schade. Wie dem auch sei - abgesehen davon ist mir die Feierkultur in schicken Schuppen maximal suspekt.
Die Frauen - Out of control and hungry for cock
Während ich konsequent in meiner Uniform aus Sneakers und goldenen Creolen unterwegs war, begegnete ich einer Vielzahl perlenbeohrringter
Blondinen in schwarzen Microkleidchen. Diese Damen verbringen die erste Hälfte des Abends damit Duckface- und Tittenfotos von schräg oben zu schießen und so auch ihre gesamte Facebookgemeinde an ihrem abendlichen Abenteuer teilhaben zu lassen. Zu fortgeschrittener Stunde erklimmen sie mit ihren 13cm hohen Heels sämtliche Boxen und Tische des Clubs und wackeln leidenschaftlich heftig mit den sekundären Geschlechtsmerkmalen. In einem Moment besonderer Extase entweicht der ein oder anderen hierbei ein "Whoooooooooooooo". Wenn auch dies nicht die gewünschte männliche Aufmerksamkeit bringt, beginnen sie sich schließlich eroddisch an der besten Freundin zu reiben. Na wenn das der Investmentbanker-Papa wüsste.
Abgesehend davon, dass ihr euch beim Tanzen offenbar für Beyoncé haltet, obwohl ihr vielmehr einem Rudel läufiger Hündinnen ähnelt, kann ich von der Tanzfläche unter eurer Microkleid bis zum Victoria's Secret Höschen gucken. Es ist rosa. Just saying.
Die Männer - Mehr Geld als Gehirn
Diese lassen sich im Wesentlichen in zwei Kategorien einteilen: Die Bonzen und die Prolls. Der Bonze von Welt trägt ein gut sitzendes Hemd von Armani oder Ralph Lauren, und eine wunderprächtige Markenuhr am Handgelenk, anhand derer sich die Dicke seines Geldbeutels ablesen lässt. Jene Männer pilgern eifrig durch dem Club und versuchen eine der perlenbeohrringten Wannabe-Beyoncés zu Champagner und Paarung einzuladen. Nachdem sich einer dieser Spezies in der Nachtresidenz eine Weile vergeblich an mir und meiner Freundin die Zähne ausbiss, zog er sein letztes Reichtumsass aus dem Armaniärmel: "Ich habe meine Mutter letztes Jahr auf
eine Wellnessreise nach Mexico eingeladen. Und meine Frau würde ich
genauso auf Händen tragen."
Wen hast du doch gleich nach Mexico eingeladen? Ach ja - DEINE MUDDER!
Die Prolls haben nicht so viel Kohle wie die Bonzen und versuchen das mit ausuferndem Bodybuilding zu kompensieren. Sie tragen bevorzugt kurzärmelige Hemden und ein kreatives Tribal auf dem anabolikagestählten Bizeps. Leider bin ich ein kleiner Magnet für diesen Typ Mann, und so komme ich häufig in die unangenehme Situation Menschen abwimmeln zu müssen, die über den IQ eines Brotes verfügen. Erinnert sich hier noch jemand an Grawp, den Riesen aus Harry Potter? Genau so. Eine beliebte Anmache der Grawps ist zum Beispiel der Hinweis darauf, dass wir beide offenkundige Anhänger der Körperkunst sind. Ein stumpfsinniger Blick, dreißig Sekunden des Nachdenkens, ein stumpfsinniges Nicken, dreißig Sekunden des Nachdenkens, ein stumpfsinniger Fingerzeig auf meinen Oberarm: "Du hast da auch ein Tattoo".
Das, mein gepumpter Freund, hast du ganz vortrefflich erkannt. Hier hast du einen Keks.
DIE VIP-LOUNGE - Gipfel des Grauens
Dieses Phänomen ist ähnlich interessant zu beobachten wie das Affengehege im Zoo, nur dass ich für die Orang Utans eindeutig mehr Sympathie aufbringen kann. Die betuchtesten der gut betuchten Herren sitzen in einem vom Pöbel abgetrennten Bereich des Clubs und konsumieren teuren Wodka aus teuren Flaschen mit Glitzer. Nach und nach platzieren sich einige besonders läufige Wannabe-Beyoncés vor der Absperrung und geben dort ihr zuvor beschriebenes Programm aus Arschwackeln und "Whooo" zum Besten. Hierbei werfen sie immer wieder hoffnungsvoll-erotisierende Blicke zu den reichen Männchen, bis sich schließlich einer ihrer erbarmt und sie mit einem lässigen Wink ins Eldorado der Glitzerflaschen einlädt. Fortan muss sich Beyoncé nicht mehr verzweifelt an ihrer Freundin reiben, sondern kann dies eindrucksvoll am Gemächt ihres großzügigen Gönners tun. Er schenkt ein, sie lässt sich begrabschen. Überall. Vielleicht darf sie sogar nächstes Jahr mit nach Mexico. Eine Win-Win Situation für alle Beteiligten! Hurra!
Im Grunde kann ja jeder tun und lassen was er möchte. Wenn du deinen Arsch für eine Glitzerflasche Wodka verkaufen möchtest, dann wünsche ich dir viel Freude dabei. Augenzeuge möchte ich aber in naher Zukunft nicht mehr werden - da kann ich mir genauso gut eine RTL II Doku über Flavio Briatores Billionaire Club reinziehen.
Findet ihr das genauso befremdlich wie ich, oder schmeißt ihr selbst des Öfteren die Fuffies durch den Club?
V.



