23. August 2015

AUSGEBLOGGT

Menschen, Leser und Freunde,

ich schreibe euch das ganz ehrlich und direkt. Kein pseudo-tiefsinniges Geschwafel, kein falscher Spannungsbogen, kein versteckter Wunsch nach schleimigen Kommentaren. Das war's. Seit etwa einem halben Jahr denke ich ständig darüber nach, ob das Ding mit dem Bloggen noch mein Ding ist. Und die Frage, die über allem steht, ist doch: Macht mich das glücklich? Auf meiner Reise durch die USA die nebenbei gesagt ganz großartig war habe ich alle möglichen Aspekte in meinem kugeligen Dasein kritisch beleuchtet und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich einiges ändern muss und möchte.


Manchmal sollte es im Leben eben nicht darum gehen, was sich andere von dir wünschen, sondern darum, was du dir selbst wünschst. Ich schätze, dass für die allermeisten Menschen Glück das oberste Ziel ist. Für den Einen bedeutet das ne dicke Bude in Blankenese, für den Anderen vier Säuglinge an den Brüsten baumeln zu haben oder Yoga-Lehrer auf Bora Bora zu werden. Und für mich ist es ein großes Glück, dass ich das Hier und Jetzt genießen, mich mit maximal wunderbaren Menschen umgeben und dabei konzentriert an meinen persönlichen wie beruflichen Zielen arbeiten kann. Blogger zu sein, gehört für mich nicht mehr dazu. Von dem ganzen Drumherum - der schonungslosen Eigenwerbung, den fancy Kooperationen und dem ausgiebigen Netwörken - habe ich mich ja ohnehin schon vor einiger Zeit distanziert, weil ich schlichtweg keinen Bock darauf habe.

Ich möchte weniger rumlabern und mehr machen. Weniger am Schein und mehr am Sein arbeiten. Anfassen statt abtippen, fühlen statt klicken. Das Schreiben werde ich nicht aufgeben und es an anderer Stelle in anderer Form weiterführen. Meinen Blog und die vielen Texte, die in den vergangenen fünf Jahren entstanden sind, lasse ich online. Ich bin enorm froh über meine Erfahrungen auf dieser Plattform und freue mich über jeden Kommentar, jeden Austausch und jede virtuelle Begegnung, die ich mit euch machen durfte. 

Danke. For real. 

Es wäre ganz famos, wenn wir weiterhin über Social Media in Kontakt bleiben, denn dafür wurde der Kram schließlich erfunden. Derweil wünsche ich euch alles Glück der Welt, einen unbändigen Wissens- und Entdeckerdrang, Ehrlichkeit, ein offenes Herz und viel, viel Liebe.

13. Juli 2015

ICH HAU DANN MAL AB

Kinners - ich bin durch. Durch und durch. In rund eineinhalb Wochen verlasse ich den Kiez in Richtung Miami Beach und muss bis dahin noch ungefähr vierzigtausend Seiten Hausarbeiten schreiben. Meine Vorfreude wird somit von dem dumpfen Gefühl, dass ich meinen universitären Shit nicht rechtzeitig auf die Reihe kriege, überschattet. Aber ich möchte hier weder Neid noch Mitleid erwecken naja, vielleicht ein bisschen und euch eigentlich nur mitteilen, dass ich mich für eine Weile aus der Blogwelt verziehen werde. Erst in die Knechtschaft meiner Hochschule, dann unter eine Palme. 


Ich melde mich hier Mitte/Ende August wieder zurück, da ich knapp einen Monat lang durch die USA kugeln werde und meinen Laptop bewusst zuhause in einer Schublade verstecke. Vermutlich lasse ich es mir trotzdem nicht nehmen, die Menschheit mit selbstgefälligen Strandfotos und spontanen Hirnauswürfen auf Instagram, Facebook und Twitter zu penetrieren. Ach, und einen fancy Reiseblog auf Tumblr hätte ich da auch noch in petto, denn ich habe ja sonst keine Hobbys. Für den Fall, dass ihr die Schnauze irgendwann von meiner gebräunten Visage voll habt verständlich, gebe ich euch noch ein paar anderweitige Beschäftigungstherapien mit auf den Weg, die garantiert zu eurem Glück beitragen:
  1. Fangt an zu Gärtnern - egal, ob im persönlichen Erdloch oder auf der Küchenfensterbank.
  2. Lest Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry von Rachel Joyce.
  3. Scheißt auf eure Monatskarte und setzt euren Hintern aufs Fahrrad. 
  4. Steigert eure Reiselust auf blickgewinkelt, Fernwehosophy und den anderen wunderbaren Reiseblogs da draußen.
  5. Packt die Taschen und verkrümelt euch ans Wasser. Im Zweifelsfall tut's auch der nächstgelegene Badesee.
Ansonsten wünsche ich euch einen derben Sommer voller Zitroneneiscreme, eroddisch-heißen Tagen und deliziösen Grillabenden!

6. Juli 2015

PARTY IM LAND DER SPIEßER UND ZU-VIEL-DENKER

Am Wochenende kam ich im Club mit einem Typen aus Kalifornien ins Gespräch, der mit seinen Kumpanen für ein paar Tage durchs Land reisen wollte. Er war Rapper, hängte hinter jeden zweiten Satz ein "yo man" und war angesichts der deutschen Feierkultur maximal verstört. Stellt euch mal folgendes Bild vor: Da stehen dutzende aufgebitchte Frauen mit falschen Wimpern und Männer mit hängenden Hosenschritten auf der Tanzfläche, derbe Dancehall-Riddims schallen aus den Boxen und trotzdem kommt die Hälfte der Leute nicht wirklich aus dem Arsch. Steckt halt leider ein Stock drin.


Hätte mich meine Bekanntschaft des Abends nicht so irritiert darauf hingewiesen, wäre mir das vielleicht gar nicht aufgefallen, weil ich komplett an dieses Verhalten gewöhnt bin. Er fragte, ob es in Deutschland normal sei, dass die Menschen lieber unauffällig an der Bierpulle nuckeln als sich tanzenderweise zu vergnügen? Und warum ihn eigentlich alle Leute so dumm glotzen würden, die er freudig angrinst? Tja. Willkommen im Land der Spießer und Zu-viel-Denker. Eigentlich schade, oder? Ich schätze, dass die omnipräsente Zurückhaltung auf das gesellschaftliche Ansehen im Mikrokosmus des Clubs zurückzuführen ist. Keiner möchte als Lauch ohne Taktgefühl oder bootyshakende Hoe abgestempelt werden. Darum verschanzen sich die meisten im sicheren Tanzkreis der mitgebrachten Freunde anstatt die innere Beyoncé raushängen zu lassen. So nach dem Motto: Ich verhalte mich lieber unauffällig, bevor ich mich blamiere.
 
Die Alternative liegt leider oft am Boden des fünften Astras. So richtig eskaliert der Deutsche zumeist nur, wenn Alkohol und vielleicht noch ein wenig Helene Fischer involviert sind. Mit zunehmender Promille sinkt die Angst vor ablehnenden Blicken, aber eben auch davor, massiv in eine Ecke zu reihern. Kleine Kotzestückchen in der Flechtfrisur sind nicht sonderlich attraktiv und daher sollte das Hochprozentige nicht die ultimative Lösung sein. Ich glaube ja auch, dass sich elektronische Musik aus diesen Gründen so gut in Deutschland etabliert hat. Dazu kannste hervorragend wie ein Zombie auf der Tanzfläche stehen, ein bisschen apathisch rumzucken und musst niemandem in die Augen gucken. Gekrönt wird das Ganze optional durch den Konsum synthetischer Drogen, sodass die größte Party letztendlich in deinem eigenen Kopf stattfindet. Vor einiger Zeit bin ich mal in einem Minimal-Techno-Schuppen gelandet, in dem sich sämtliche Anwesenden stundenlang nach vorn zum DJ gewandt und konsequent auf dessen Bühne gestarrt haben. Wie auf einem Konzert, nur dass es keins war. Digger, das kannste doch nicht ernsthaft als Feiern bezeichnen. Da kann ich genauso gut ne Electro-Playlist bei Soundcloud anschmeißen und in meinem Wohnzimmer in Richtung des Laptops herumhopsen.


Sofern ein paar Höflichkeitsformen eingehalten werden, sind Partys meiner Meinung nach der falsche Ort für die urdeutsche Zurückhaltung. Natürlich lege ich im Club Wert auf meine Intimsphäre und bin kein Fan davon, wenn sich auf der Tanzfläche ungefragt ein Gemächt von hinten an mich drückt. Doch solange niemand den anderen sexuell belästigt, können wir alle durchaus mal lockerlassen und schamlos unseren Spaß haben. Lasst uns lieber scheiße tanzen als scheiße gucken! Und wer aus Prinzip keinen Bock auf schwitzende Mitmenschen und Konversationen mit Fremden hat, darf das Wochenende übrigens gern mit Netflix auf der Couch verbringen. Ist bestimmt netter als anderen mit muffligen Seitenblicken den Spaß zu verderben.

Wie seid ihr beim Feiern so drauf: Pop, Lock and Drop it oder lieber beschämt an der Bar hocken?